Theaterwelten

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HEAL THE WORLD – THEATERWELTEN 2017

Unfortunately the festival is over. It was a celebration of cultures, of the theatre and the joy of life. It was a celebration of contemporary art; it was relevant and political. It was a celebration of open hands and open hearts.
The atmosphere and the enthusiasm were boundless.

But, we missed the participants from Egypt, who didn´t get a visa!

Theatre can´t save the world, but it can affect it. And you all – the participants of the festival from all over the world – gives us the hope that it will heal once.

We are thankful to welcome you. We are sad to say good-bye to you. We are honored by your empathy and your love for the theatre.

FIFTY WAYS TO THE THEATER – LETZTE IMPRESSIONEN THEATERWELTEN #3

Letzte Impressionen in Bildern und einige Zitate der Teilnehmer der THEATERWELTEN 2017 …

Ich bin das erste Mal bei Theaterwelten. Was mich unglaublich beeindruckt hat, ist die Vielzahl an unterschiedlichen Impulsen, die ich mitbekommen habe, was das Amateurtheater angeht und was die Ansätze dahinter angeht. Mich hat das unglaublich neugierig gemacht, auf weitere Festivals dieser Art.

Nils Hanraets (Vizepräsident BDAT)

I´ve had the best time EVER! For me it was one of the best international festivals. It was amazing. Thank you!

Rangimoana Taylor (Quartett theatre company/ Neuseeland)

This festival is a real revolution, because we have so many cultures, so manydifferent people and we are all friends. And ist a great atmosphere.

Dries (Collectief verloren/ Belgien)

Because of this festival, we got the chance to learn something new. A friend of mine who is from Belgium sang a song that we learned from New Zealand in Germany. I love it!

Noras (theatre village/Nepal)

Eine der schönsten Sachen in Rudolstadt war es, einfach mal durch den Park zu gehen und an jeder Ecke Theatermenschen aus aller Welt zu sehen. Die waren am Jonglieren, Massieren, heftig Diskutieren, Singen, Musik machen. Und ich fand es so schön, dass alles in dieser kleinen wunderschönen Stadt zu erleben.

Bronwyn Tweddle (Quartett theatre company/ Neuseeland)

Wir vermissen die Ägyptische Gruppe und auch eine Gruppe aus Nordamerika. Ansonsten waren Menschen aus der ganzen Welt da. Und wir haben eine wunderbare Zeit miteinander verbracht.

Stephan Schnell (BDAT)

It was a great experience. I realy love the atmosphere. Thats very natural! Ist a great place!

Kim (Collectief verloren/ Belgien)

SKIN TIGHT

Ein Stück über das Leben. Ein Stück über den Tod. Ein Stück über Liebe.

Unglaublich intensiv erzählen uns die Neuseeländischen Darsteller*innen der „Quartett theatre company“ von Elisabeth und Tom, zwei Menschen, die ihr Leben miteinander teilten.

„What time is it?“ „Two more minutes.“

Im Angesicht des sicheren Todes von Elisabeth, blicken die beiden Charaktere zurück auf ihr gemeinsames Leben.  Ein Zusammenleben, das von Höhen und Tiefen geprägt war. Zusammen konnten sie lachen, weinen, sich necken, sich trösten und in die Arme nehmen. In ihrem Leben haben sie sich oft bitterböse gestritten, Fehltritte gestanden, Komplimente gemacht, sich geschlagen, gegenseitig verwöhnt, einander gehasst und über alles geliebt.

„What time is it?“

Es bedarf einer großen schauspielerischen Leistung, eine solch innige und zwiespältige Beziehung zweier Menschen wie Tom und Elisabeth auf die Bühne zu bringen. Bronwyn(Elisabeth) und Rob(Tom) vollbrachten diese Meisterleistung und noch ein bisschen mehr. Ihr Ausdruck und ihre Präsenz waren unglaublich stark und öffneten dem Publikum einen emotionalen Zugang zu ihrem Spiel. Es bedarf eines exakten Timings, einem präzisen Spiel und ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen, um derart eindrucksvolle Kampfszenen, bemerkenswerte Tänze, ausdrucksvolle Küsse und den nackten Körper auf der Bühne in Szene zu setzten. Die Darstellerin und der Darsteller wirkten selbst wie eine Einheit, gleich den Rollen die sie einnahmen. „We know each other so well.“

„What time is it?“ Past noon.“

Das Ende war nicht überraschend. Das Ende war vorhersehbar und doch traf es das Publikum mitten ins Herz: Ein Mann der über seiner toten Frau kniet, ihren Körper ein letztes Mal in der Badewanne wäscht, dabei leise „River Deep Mountain High“ singt und sein älteres Ich an dieser Szene vorbei geht, alt und gebückt, traurig, dann schweigt das Publikum. Es schluckt. Vereinzelt rollen Tränen. Keiner mag klatschen. Erstmal sacken lassen.

Dann explodiert das Publikum. Klatscht und jubelt. Für diese intensive Inszenierung gab es standing ovations . Ich sage: Verdient! Und bedanke mich, für diese gefühlvolle künstlerische Arbeit. [ib]

THE UNIVERSAL LANGUAGE OF THE BODY

Am Samstag betörten die fünf jungen chilenischen Spieler der Gruppe „Collectivo Racum“ die Sinne der Zuschauer, die sich an diesem lauen Sommerabend zahlreich im Hof der Thüringer Bauerngärten  einfanden. Unter freiem Himmel, mit einfachster Ausstattung und unter Verzicht auf die Sprache der Worte, zelebrierten sie einen performativen Akt der tiefen Emotionen. Sie imaginierten eine „schöne neue Welt“, die den Menschen durch seine Arbeit definiert; eine Welt, die systemisch versklavt und in der der Ausbruch und die Befreiung in Verzweiflung und Isolation mündet. Die Spieler richteten ihren Blick und den Fokus der Inszenierung auf ein Welt der Konflikte und der Individualisierung und gleichsam auf eine Welt des Mitfühlens, des Miteinanders und des Hoffens – über all das babylonische Stimmengewirr der realen Welt hinweg .

Sie entfachen in ihrer Darbietung eine ganze Welt der Körpersprache und verweben pantomimische, akrobatische, tänzerische und improvisierende Elemente. Die Gesten, Bilder und Momente, die so entstehen, sind mit einer Authentizität versehen, wie sie nur aus höchster Konzentration und Präzision entstehen kann. Insbesondere in jenen Teilen der Darbietung, in denen die Spieler unter- und miteinander interagieren, lassen sie eine spielerische Einheit und Dynamik entstehen, die große Ausstrahlung und emotionale Bewegtheit erzeugt. Poetisch und  brillant ist nicht zuletzt das zarte Spiel mit dem sechsten Ensemblemitglied – einer kleinen Puppe, die den Zuschauern die eigene und eine imaginierte Welt vor Augen führt.

Dies ist Theater mit Leidenschaft; unbekümmert und von großer spielerischer Ausgelassenheit.

Diese Darbietung repräsentiert eine Form des Straßentheaters, welches poetisch, kraftvoll und zirzensisch und in seiner Ausführung von höchster Präzision geprägt ist. Das junge chilenische Ensemble, welches die Klaviatur des nonverbalen Theaters originell und mit großer Leichtigkeit bedient, begeistere zu recht das fachkundige Publikum. …

Und es sei dem Autor an dieser Stelle zu sagen erlaubt: Diese jungen Chilenen versprühen solch eine natürliche Empathie und eine Dankbarkeit, denen man nur mit einer großer Gegenliebe begegnen kann. Danke für diese Lehrstunde. Danke, dass wir euch auf den THEATERWELTEN begrüßen durften! [mb]

WEITERE GÄSTE DER THEATERWELTEN

vlnr: Norbert Radermacher (Ehrenpräsident BDAT), Steffen Mensching (Intendant Theater Rudolstadt), Frank Grünert (Vorsitzender Thüringer Theaterverband), Simon Isser (Präsident BDAT)

Neben dem Ehrenpräsidenten des BDAT Norbert Radermacher weilte auch der Intendant des Theaters Rudolstadt, Steffen Mensching auf unserem Festival und besuchte am Samstagabend die grandiose Aufführung vom Collectivo Racum in den Bauernhäusern Rudolstadt.

FACHKONFERENZ TEIL ZWEI

Am Tag zwei der Fachtagung wurden gleich drei Vorträge gehalten. Den Anfang machte Andrea Hensel. Ihr Thema: Die künstlerische Anverwandlung des Fremden. Transkulturelle Praktiken der Theatergruppe „Hajusom“. Ausgehend vom gestrigen Vortrag und Heegs Definition das transkulturelle Theater als Erkenntnis- und Handlungsmodell zu begreifen, beschreibt Hensel am Beispiel „Hajusom“ drei Möglichkeiten zum Umgang mit der Erfahrung des Fremden in der Theaterpraxis:

  • Künstlerische Praxis als Anverwandlung
  • Bewusster spielerischer Umgang mit dem Eigenen und dem Fremden
  • Praxis des Verfremdens/ des Fremdmachens

Micha Braun ergänzte die thematische Diskussion  um drei weitere Projekte. In seinem Vortrag mit dem Titel „Die seltsame Lust am Untergang. Theatrale Abschweifungen auf der Suche nach dem verlorenen Glück“, wies er weitere Möglichkeiten des Umganges mit dem Fremden im Theater auf: In der überzeichneten Darstellung der Inszenierung „Candide, oder die letzte aller möglichen Welten der Cammerspiele Leipzig (2016) sieht Braun eine Möglichkeit eine „ironische Distanz“, ein Ausstellen des Fremden zu ermöglichen, ohne zu exotisieren. In dem Projekt „RescEU“ werde, so Braun, eine Angst vor dem Wiederholen von Geschichte deutlich, nur diesmal in die andere Richtung. Ein Austausch von Postionen sei immer auch eine Möglichkeit Erfahrungen mit dem Fremden in der Geschichte, in den Medien und der Politik zu inszenieren und damit offen zu legen.

Im dritten Vortrag brachte Stephan Schnell (BDAT) das Thema „Fremde spielen“ der Fachtagung mit dem THEATERWELTEN-Festival zusammen und nahm dabei aber auch eine kritische Haltung ein. Er definierte das Festival im Sinne Jennifer Elferts als Transraum. Ein Transraum „in dem unter anderem Perspektiven der Kunst und seiner Freiheit verhandelt werden“ sollten. Schnell fordert, dass internationale Festivals sich immer „der Gefahr des vielleicht nur impliziten Othering (Fremdschreibung) der Nicht-Europäer bewusst“ sein sollten. Und in dem Sinne auch Theaterwelten.

In der anschließenden Diskussion fordert Christel Gbaguidi, dass während des Festivals und auch bei allen folgenden THEATERWELTEN „Diskurse über das Fremdsein geführt werden“ sollten und es dafür auch den nötigen Raum bedarf. Aber nicht nur die Festivalteilnehmer*innen, sondern auch der Festivalort Rudolstadt sollte mit seinen Bürger*innen für solche Diskurse sensibilisiert werden. [ib]

„Das Festival ist ein schöner [Trans]Raum, aber wir brauchen eine größere Diskussion.“ (Christel Gbaguidi)