Europa

THEATERWELTEN KOOPERIERT MIT BELGIEN

Es gibt auch gute Nachrichten für das transkulturelle Netzwerk des Theaters … Heute Mittag unterzeichneten Joke Quaghebeur vom Belgischen Verband OPENDOEK und Simon Isser, Präsident des BDAT eine Kooperationsvereinbarung. Zukünftig besteht eine Festivalpartnerschaft zwischen dem Festival „THEATERWELTEN“ und dem „STOPS OP WEST“ in Belgien. Es ist nun an uns allen, diese Partnerschaft mit Inhalt zu füllen und ihr eine nachhaltige Gestalt zu verleihen…

HAVE I TOUCHED YOU?

Ja, verdammt!, möchte man darauf kurz antworten. Denn diese Frage – im Laufe des Eröffnungsstückes „A warm place“ vom „Collectief verloren“ aus Belgien an das Publikum gerichtet – lässt nur diese Antwort zu. Diese Performance berührt und hält dabei alle eingesetzten Mittel auf gleichsam alle Sinne der Zuschauer gerichtet, um konsequent und ohne Gnade auf diese einzuhämmern.

Die Darbietung, die nicht nur in den ersten Momenten wie ein Industrial-Konzert gewandet ist, wirkt in gleicher Weise physisch auf die Performer und auf die Zuschauer. Die Performer durchleben die Momente der selbstreferenziellen Melancholie bis hin zur abgründigen und unbeherrschbaren Verzweiflung einer Depression physisch. Emotion ist Motion; Ängste sind zitternde Leiber; Zwänge sind getriebene Bewegungen, die die Haut vom Körper streichen.  Gepaart mit dem brachialen Sound der „Nine Inch Nails“ bohren sich die inszenierten Bilder dieser Performance 9 inch tief in Kopf und Körper der Zuschauer um hier langsam tickend zu verweilen und ihr Werk zu verrichten …

Die Performer gehorchen dem „Rauschen ihres Blutes, den Stimmen in den Winkeln ihres Schädels“, den Lyrics der „Nine inch Nails“ und den Lyrics des Stückes – geboren aus den Selbsterfahrungen von Roel Faes, dem Kopf dieser Inszenierung.  Diese Erfahrungen beherrschen ihre Körper und Bewegungen. Sogleich werden sie von ihren Körpern beherrscht und getrieben. Das Denken, die Erkenntnis, der menschliche Geist – all dies wird berührend und physisch. Verlorenheit beherrscht die Körperlichkeit der Darbietung und bietet  uns einen Spiegel eines fremden und eigenen Ichs. Dieser Spiegel oder jene transparente Wand, durch die wir uns zu erkennen glauben, bleibt undurchdringlich.  Die Grenzen der Wahrnehmung und Erkenntnis wirken in den bedrückenden Phasen unseres Seins immer stärker verengend bis hin zur Isolation, in der man sich in den Fötus seines Ichs zurückzieht . All dies wird in Bildern durch den Zuschauer assoziiert und durch die Performer transformiert.

Der industrielle Sound und die Stimmungen und Atmosphären der Beleuchtung sind ein zwangsläufiges Setting der Darbietung und steigern so die Wirkung der Performance. Dies ist durchaus manipulativ und ganz im Stile eines musikalisch gelenkten Emotionsaufbaus  wie er – natürlich für die anderen Arten der Emotionen – im Kino Hollywoods funktioniert. Doch erfüllen diese Mittel zugleich den gesuchten Zweck, denn auch sie bewirken, dass man berührt ist.

„Es geht mir gut.“ ist einer der letzten Sätze in dieser Performance. Was mir hierzu noch einfällt, ist ein kurzes Zitat:   „Es geht mir gut… Mir geht es glänzend, … Ich bin ausgeglichen… Alles was ich erreichen konnte, habe ich erreicht. ich wüßte nichts, was mir fehlt. ich habe es geschafft. Mir geht es gut.“ (Christoph Hein „Der fremde Freund“)

Es war eine mutige Entscheidung, solch ein gewaltiges Werk als Eröffnungsstück des Festivals zu erwählen. Und es war eine sehr gute Entscheidung, denn es sind Themen, wie sie diese Performance aufgreift, die relevantes Amateurtheater und es sind Darstellungsformen wie diese, die zeitgenössisches Amateurtheater auszeichnen. Danke „Collectief verloren“ für diesen bewegenden und künstlerisch heausragenden Auftakt! [mb]

RUDOLSTADT ERÖFFNET DIE WELT DES THEATERS IN EINEM FESTIVAL

MORGEN, AM 22. JUNI STARTET DAS THEATERWELTEN-FESTIVAL SEIN INTERNATIONALES PROGRAMM.

Der Tag der Festivaleröffnung am 22. Juni in Rudolstadt:

19:15 Uhr

Einstimmung und Präsentation des Projektes „Nachbarwelten“ mit Jugendlichen aus Rudolstadt und jungen Geflüchteten auf dem Vorplatz des Theaters im Stadthaus.

19:30 Uhr

Feierliche Eröffnung des Festivals mit internationalen Gästen, Teilnehmern und Vertretern der Kulturpolitik aus Bund, Land und Region im Theater im Stadthaus Rudolstadt.

im direkten Anschluss

Das Eröffnungsstück aus Belgien „a warm place“, eine Tanzperformance des Ensembles „Collectief verloren“ aus Brüssel, (im Anschluss daran Aufführungsgespräch)

Foto: Collectief verloren (Belgien)

… Die Performance ist ein Monolog versagender Metaphern voller Bewegungen, eingebettet in die hämmernde und flüsternde Musik der Gruppe „Nine Inch Nails“. „A warm place“ offenbart den Spiegel, in dem wir uns erkennen, bei dem Versuch, den eigenen Geist zu begreifen und zeigt uns, wie bedrückend solch ein Versuch sein kann. …

21:00 Uhr

Festivaltreff für Teilnehmer, Ensembles und Festivalbesucher in der Bar im Stadthaus Rudolstadt

WORKSHOP THEATER IN EUROPA // „Das System Stanislawski“

WORKSHOP THEATER IN EUROPA // „Das System Stanislawski“

Referent Mikhail Chumachenko (Russland)

Mikhail Chumachenko – Professor an der Universität für Darstellende Künste in Moskau – gibt in seinem praktischen Theatertraining einen Einblick in die wichtigsten Elemente der Schauspielausbildung nach Konstantin Stanislawski: Erziehung, Vorstellung, Interaktion, Kommunikation und Wahrnehmung. Die Teilnehmer werden gebeten, die Einakter „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“ von Anton Tschechow zu lesen und nach Möglichkeit mitzubringen.
Der Workshop findet auf Russisch mit deutscher Übersetzung statt.

Kaleidoskop – im Durcheinander das Schöne entstehen lassen

Eine kulturell-politische Diskussion

Unter dem Titel „Kaleidoskop“ hatten die Veranstalter von Theaterwelten zu einer kulturpolitischen Talkrunde eingeladen. Eine der zentralen Fragen lautete: „Wie notwendig ist ein internationaler Theateraustausch in einer sich immer weiter globalisierenden Gesellschaft?“ Kaleidoskop – im Durcheinander das Schöne entstehen lassen weiterlesen

Workshop Theater und Diversität „Rassismus und critical whiteness“

Auch ein insgesamt erfolgreiches Format wie Theaterwelten kann und muss weiter verbessert und weiterentwickelt werden. Ein wichtiger Punkt in der Evaluation wird sicherlich die Frage sein, wie auch schwierige Themen für ein breiteres Interesse aufbereitet werden können. Die Fragen nach „Theater und Diversität?“ oder „Wieviel Rassismus steckt in der europäischen Kulturarbeit?“ sind von großer Bedeutung, wenn man sich selbst als internationalen Theatermenschen ernst nimmt. Workshop Theater und Diversität „Rassismus und critical whiteness“ weiterlesen

THEATERWELTEN … FEEDBACK MIT METHODE

Die Feedback-Methode – ein Vortrag von Leila Anderson (Amsterdam)

Man kennt das Problem: Wie bekommt man als Theaterschaffender während der Arbeit hilfreiche Kritik, nützliches Feedback? Wie formuliert man umgekehrt als Mitglied eines „Testpublikums“ seine Bemerkungen, Vorschläge und Einwände zur gesehenen Produktion, ohne dass sie verletzen, verunsichern, verhärten? Wie objektiviert man seine Seheindrücke? Wie sorgt man dafür, dass alles Wesentliche zur Sprache kommt und nicht hauptsächlich Nebensächlichkeiten diskutiert werden? Und was ist überhaupt wesentlich, was nebensächlich? THEATERWELTEN … FEEDBACK MIT METHODE weiterlesen

THEATERWELTEN … BENIN UND RUDOLSTADT, KULTUR UND POLITIK

Christel Gbaguidi mit Vertretern der Botschaft Bénins
Christel Gbaguidi mit Vertretern der Botschaft Bénins

Die großartige Performance der Theaterkünstler aus Bénin unter Leitung Christel Gbaguidis zur Eröffnungsveranstaltung, die dem staunenden Publikum trotz Sprachbarriere die Gleichnisse und Mythen aus dem Geschichtenschatz des afrikanischen Volkes zu erschließen vermochte, die Zuschauer packte und mitriss, zeigte bereits, wie universell die elementaren Themen des menschlichen Zusammenlebens jeden von uns ansprechen. Eindrucksvoller konnte man kaum zeigen, wie viel verschiedene Kulturen trotz und gerade wegen der Unterschiede einander auch geben können. Ein schlüssiger Beweis, dass Theater eine weltweite Sprache sein kann, und dass Workshops wie die auf diesem Festival von einigen der Besten des Theaters aller Erdteile durchgeführten damit zugleich eine Möglichkeit sind, diese gemeinsame Sprache zu erlernen, zu pflegen und weiterzutragen. THEATERWELTEN … BENIN UND RUDOLSTADT, KULTUR UND POLITIK weiterlesen