Lateinamerika

THE UNIVERSAL LANGUAGE OF THE BODY

Am Samstag betörten die fünf jungen chilenischen Spieler der Gruppe „Collectivo Racum“ die Sinne der Zuschauer, die sich an diesem lauen Sommerabend zahlreich im Hof der Thüringer Bauerngärten  einfanden. Unter freiem Himmel, mit einfachster Ausstattung und unter Verzicht auf die Sprache der Worte, zelebrierten sie einen performativen Akt der tiefen Emotionen. Sie imaginierten eine „schöne neue Welt“, die den Menschen durch seine Arbeit definiert; eine Welt, die systemisch versklavt und in der der Ausbruch und die Befreiung in Verzweiflung und Isolation mündet. Die Spieler richteten ihren Blick und den Fokus der Inszenierung auf ein Welt der Konflikte und der Individualisierung und gleichsam auf eine Welt des Mitfühlens, des Miteinanders und des Hoffens – über all das babylonische Stimmengewirr der realen Welt hinweg .

Sie entfachen in ihrer Darbietung eine ganze Welt der Körpersprache und verweben pantomimische, akrobatische, tänzerische und improvisierende Elemente. Die Gesten, Bilder und Momente, die so entstehen, sind mit einer Authentizität versehen, wie sie nur aus höchster Konzentration und Präzision entstehen kann. Insbesondere in jenen Teilen der Darbietung, in denen die Spieler unter- und miteinander interagieren, lassen sie eine spielerische Einheit und Dynamik entstehen, die große Ausstrahlung und emotionale Bewegtheit erzeugt. Poetisch und  brillant ist nicht zuletzt das zarte Spiel mit dem sechsten Ensemblemitglied – einer kleinen Puppe, die den Zuschauern die eigene und eine imaginierte Welt vor Augen führt.

Dies ist Theater mit Leidenschaft; unbekümmert und von großer spielerischer Ausgelassenheit.

Diese Darbietung repräsentiert eine Form des Straßentheaters, welches poetisch, kraftvoll und zirzensisch und in seiner Ausführung von höchster Präzision geprägt ist. Das junge chilenische Ensemble, welches die Klaviatur des nonverbalen Theaters originell und mit großer Leichtigkeit bedient, begeistere zu recht das fachkundige Publikum. …

Und es sei dem Autor an dieser Stelle zu sagen erlaubt: Diese jungen Chilenen versprühen solch eine natürliche Empathie und eine Dankbarkeit, denen man nur mit einer großer Gegenliebe begegnen kann. Danke für diese Lehrstunde. Danke, dass wir euch auf den THEATERWELTEN begrüßen durften! [mb]

WORKSHOP THEATER IN LATEINAMERIKA // „Listening to the body, moving the voice“

WORKSHOP THEATER IN LATEINAMERIKA // „Listening to the body, moving the voice“

Referentinnen Sandra Monteagudo,  Jorgelina Balsa (Argentinien)

Sandra Monteagudo und Jorgelina Balsa – beide Theaterpädagoginnen und Schauspielerinnen aus Argentinien – schicken die Teilnehmer ihres Workshops auf eine Reise des kreativen Experimentierens. Beginnend mit dem Augenkontakt als universaler Sprache interagieren die Teilnehmer mit Hilfe ihrer Körpersprache (Gestik). Die eigene Muttersprache ist nicht nur ein Kommunikationscode (Worte), sondern birgt in sich eine innere musikalische Bedeutung (Klang). Beginnend mit freier Improvisation des Einzelnen, entwickelt sich eine gemeinsame Geschichte. Der Workshop findet auf Englisch statt.

Theater in Lateinamerika Rhythmus, Bewegung und Energie

Sandra Monteagudo und Jorgelina Balsa aus Argentinien begeisterten ihre elf Werkstattteilnehmer mit einer ansteckenden Energie und Fröhlichkeit. Von der ersten Sekunde an ging es nicht um Theorien und Historien sondern darum, den eigenen Körper in Bewegung zu bringen. Theater in Lateinamerika Rhythmus, Bewegung und Energie weiterlesen

Faszinierender Blick über den europäischen Tellerrand – Aufführungen aus Benin und Argentinien

Zwei internationale Gastspiele ergänzten das Festivalprogramm der „Theaterwelten“ an zwei Abenden. Am Freitag präsentierten Künstler des Netzwerks „Arts Vagabonds“ das dreiteilige Stück „Maia“. Zunächst zeigten sie ein Erzähltheater in französischer Sprache, das von einem Streit der menschlichen Sinne berichtete. Es folgte eine musikalische Geschichte von Begegnung, Trennung und Wiedervereinigung, die allein mit dem Tanz zweier Stühle erzählt wurde. Zuletzt hörten die Zuschauer das afrikanische Märchen von „Maia“, die körperlich entstellt auf die Welt kam, vom Dorf verstoßen und von einer Löwin großgezogen wurde. Faszinierender Blick über den europäischen Tellerrand – Aufführungen aus Benin und Argentinien weiterlesen