Modernes Tanztheater in Nordarmerika

Unsere Körper sind die Pioniere des nächsten Moments

Den Boden, der das klassische Ballett negiert, machte die Tänzerin und Trainerin für Contemporary Dance, Ariel Cohen aus Massachusetts/USA, für uns Workshopteilnehmer spürbar. Während der Trainingseinheiten lernten wir uns kennen und kamen uns un-/gewollt näher. Unsere Körper, ziellos und ungerichtet, schienen beinahe naiv in ihren Bewegungen zu sein. Ein Fuß stand unbedarft auf einem anderen Fuß. – Das bedeutet eben auch miteinander tanzen. Alles ist möglich im Tanz und alles ist darin anders als das bisher von uns Wahrgenommene. Unsere Körper sind nicht „perfekt“. Der athletische Körper ist im Arbeitskontext dieses Workshops uninteressant. Gerade die untrainierten Körper beleben die klassischen Tanzformen. Tanz ist ein choreografiertes Ritual, das – genau wie das Leben selbst – mehr hässliche Seiten hat als schöne. Diese Überlegung ist unausgesprochenes Dogma im Rahmen des Tanzworkshops von Ariel Cohen.
Die zehnminütige Performance ist Höhepunkt unserer Selbsterfahrung beim Rudolstädter „Theaterwelten“-Festival. Unsere Bewegungen nehmen während der Performance zum Ende unseres Workshops selten Fahrt auf, münden dann jedoch unvermittelt in einen existentiellen Furor. Das Tableau menschlicher Emotionen, die wir in punktuellen Explosionen und wiederholenden Bewegungsabläufen abrufen, macht uns als Menschen auf der Bühne sichtbar. Minimalistisch ist die Konstruktion unserer choreografischen Bilder. Das Zusammenspiel unserer individuell gewählten Bewegungen ergibt eine Art Tanztheater, das aus kleinteiligen Mustern aufbaut und damit die repetitiven Strukturen des durch Ariels ausgewählten HipHop-Tracks vervielfacht. Der karge, schwarze Tanzraum im historischen Rudolstädter Theaterhaus strahlt eine formelle Reinheit aus, der nur darauf wartet, von unseren Körpern besetzt zu werden.
Wir etablieren sämtliche Interpretationen der Musik, woraus ästhetische, vielschichtige Körperbilder erwachsen. Wir finden immer wieder neue Gebärden für unsere inneren Zustände, und genau darin zeigt sich das pure Verlangen nach Leben. Die Berechtigung allen künstlerischen Schaffens, die Hinlenkung und das Annehmen der eigenen künstlerischen Leistungsfähigkeit, ist mein persönlicher Erkenntnisgewinn während des „Theaterwelten“-Festivals. Der Auftakt ist gelungen und meine Liebe zum Tanz ist entfacht…

Hanin Tischer

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