THEATERWELTEN KOOPERIERT MIT BELGIEN

Es gibt auch gute Nachrichten für das transkulturelle Netzwerk des Theaters … Heute Mittag unterzeichneten Joke Quaghebeur vom Belgischen Verband OPENDOEK und Simon Isser, Präsident des BDAT eine Kooperationsvereinbarung. Zukünftig besteht eine Festivalpartnerschaft zwischen dem Festival „THEATERWELTEN“ und dem „STOPS OP WEST“ in Belgien. Es ist nun an uns allen, diese Partnerschaft mit Inhalt zu füllen und ihr eine nachhaltige Gestalt zu verleihen…

THEATERWELTEN OHNE AFRIKA?

Wie steht es um die Freiheit der Kunst im Nahen Osten? Welche Perspektiven haben junge Menschen heute in Ägypten? Wie sieht ihr Alltag aus, ihre Träume, ihre Nöte und Wünsche? Was ist geblieben vom „arabischen Frühling“. Das ist Thema des Stücks „1980 and upwards!“ eingeladen zum Festival „Theaterwelten“ nach Rudolstadt.

Aber die Festivalbesucher werden keine Aufführung sehen, keinen Workshop besuchen und keine persönlichen Gespräche führen können.

Die Inszenierung „1980 and upwards“ der Gruppe „Studio El Brova“ für den 23. Juni, 19:30 Uhr geplant, kann nicht stattfinden, da der Ensemble die Einreiseerlaubnis versagt blieb…

Die deutsche Botschaft in Kairo hat der Theatergruppe des Studio El Brova die Visa Erteilung verweigert. Aufgrund ihrer finanziellen, beruflichen und sozialen Situation konnte die Botschaft, so die Ablehnungsbegründung, keine ausreichende Rückkehrwilligkeit erkennen. Für die 10 jungen, unverheirateten, freiberuflichen Künstler konnte auch der BDAT im zweiten Versuch, dem sog. Remonstrationverfahren, bei der deutschen Botschaft trotz zahlreicher Belege (u.a. bereits bezahlter Flüge) keine Einreisebewilligung für das Theaterensemble erreichen.

Die Freiheit der Kunst in Ägypten wird auch durch deutsche Behörden beschnitten.

[Stephan Schnell].

Wir schließen uns  sichtbar den Forderungen der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder – und Jugendbildug (bkj) nach einem gezielten Förderungprogramm für die internationale Dimension der kulturellen Jugendbildung und nach Visa-Erleichterungen für den globalen Jugendaustausch an.

FACHKONFERENZ „FREMDE SPIELEN“

Um 10:00 Uhr heute Morgen startete die Fachkonferenz „Fremde spielen. (Amateur)Theater transkulturell“ im Rudolstädter Rathaus. Ausgerichtet wird die Konferenz in Zusammenarbeit mit dem Centre of Competence for Theatre(CCT) an der Universität Leipzig.

Nach einem Grußwort durch Frank Grünert und Dr. Micha Braun stieg Prof. Dr. Günther Heeg mit seinem Vortrag direkt ins Thema ein. Ausgehend von der Forderung, Theater solle das Fremde aufsuchen und sich ihm stellen, definierte Heeg den Begriff „Transkulturelles Theater“. Dabei wurden Fragen aufgeworfen, wie eine Repräsentation des Fremden aussehen könne, ohne zu exotisieren und welche Theaterform es an dieser Stelle bedürfe.

Im zweiten Teil des vormittäglichen Programmes ergänzte Prof. Dr. Patrik Primavesi die thematische Diskussion durch seinen Redebeitrag „Theater anders denken – mit Kindern und Jugendlichen“. An Praxisbeispielen zeigte Primavesi, wie die Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen Verfremdung möglich mache. Fortgesetzt wird die Konferenz und der Dialog am morgigen Tag …

[ib]

HAVE I TOUCHED YOU?

Ja, verdammt!, möchte man darauf kurz antworten. Denn diese Frage – im Laufe des Eröffnungsstückes „A warm place“ vom „Collectief verloren“ aus Belgien an das Publikum gerichtet – lässt nur diese Antwort zu. Diese Performance berührt und hält dabei alle eingesetzten Mittel auf gleichsam alle Sinne der Zuschauer gerichtet, um konsequent und ohne Gnade auf diese einzuhämmern.

Die Darbietung, die nicht nur in den ersten Momenten wie ein Industrial-Konzert gewandet ist, wirkt in gleicher Weise physisch auf die Performer und auf die Zuschauer. Die Performer durchleben die Momente der selbstreferenziellen Melancholie bis hin zur abgründigen und unbeherrschbaren Verzweiflung einer Depression physisch. Emotion ist Motion; Ängste sind zitternde Leiber; Zwänge sind getriebene Bewegungen, die die Haut vom Körper streichen.  Gepaart mit dem brachialen Sound der „Nine Inch Nails“ bohren sich die inszenierten Bilder dieser Performance 9 inch tief in Kopf und Körper der Zuschauer um hier langsam tickend zu verweilen und ihr Werk zu verrichten …

Die Performer gehorchen dem „Rauschen ihres Blutes, den Stimmen in den Winkeln ihres Schädels“, den Lyrics der „Nine inch Nails“ und den Lyrics des Stückes – geboren aus den Selbsterfahrungen von Roel Faes, dem Kopf dieser Inszenierung.  Diese Erfahrungen beherrschen ihre Körper und Bewegungen. Sogleich werden sie von ihren Körpern beherrscht und getrieben. Das Denken, die Erkenntnis, der menschliche Geist – all dies wird berührend und physisch. Verlorenheit beherrscht die Körperlichkeit der Darbietung und bietet  uns einen Spiegel eines fremden und eigenen Ichs. Dieser Spiegel oder jene transparente Wand, durch die wir uns zu erkennen glauben, bleibt undurchdringlich.  Die Grenzen der Wahrnehmung und Erkenntnis wirken in den bedrückenden Phasen unseres Seins immer stärker verengend bis hin zur Isolation, in der man sich in den Fötus seines Ichs zurückzieht . All dies wird in Bildern durch den Zuschauer assoziiert und durch die Performer transformiert.

Der industrielle Sound und die Stimmungen und Atmosphären der Beleuchtung sind ein zwangsläufiges Setting der Darbietung und steigern so die Wirkung der Performance. Dies ist durchaus manipulativ und ganz im Stile eines musikalisch gelenkten Emotionsaufbaus  wie er – natürlich für die anderen Arten der Emotionen – im Kino Hollywoods funktioniert. Doch erfüllen diese Mittel zugleich den gesuchten Zweck, denn auch sie bewirken, dass man berührt ist.

„Es geht mir gut.“ ist einer der letzten Sätze in dieser Performance. Was mir hierzu noch einfällt, ist ein kurzes Zitat:   „Es geht mir gut… Mir geht es glänzend, … Ich bin ausgeglichen… Alles was ich erreichen konnte, habe ich erreicht. ich wüßte nichts, was mir fehlt. ich habe es geschafft. Mir geht es gut.“ (Christoph Hein „Der fremde Freund“)

Es war eine mutige Entscheidung, solch ein gewaltiges Werk als Eröffnungsstück des Festivals zu erwählen. Und es war eine sehr gute Entscheidung, denn es sind Themen, wie sie diese Performance aufgreift, die relevantes Amateurtheater und es sind Darstellungsformen wie diese, die zeitgenössisches Amateurtheater auszeichnen. Danke „Collectief verloren“ für diesen bewegenden und künstlerisch heausragenden Auftakt! [mb]

DAS FESTIVAL THEATERWELTEN IST ERÖFFNET …

THEATERWELTEN 2017 wurde am gestrigen Abend durch den Präsidenten des Bundes Deutscher Amateurtheater Simon Isser feierlich eröffnet. Dabei richtete sich sein Dank an alle Teilnehmer, die internationalen Gäste und die vielen Macher und Ermöglicher des Festivals.

Den anschließenden  Auftakt des Festivals bot die Performance „A warm place“ vom „Collectief verloren“ aus Brüssel, die die Festivalgäste mit  ihrer bild-, wort- und klanggewaltigen Sprache in den Bann zogen. [mb]

Der zweite Tag des Festivals (23. Juni) in Rudolstadt bietet folgendes Programm:

09:00 Uhr

Beginn der Workshops unserer internationalen Dozenten aus Nepal, Chile, Neuseeland und Belgien.

10:00 Uhr

Start der Fachkonferenz Fremde spielen im Rathaus Rudolstadt.

19:30 Uhr

PROGRAMMÄNDERUNG! Das Stück „1980 and upwards“ – unser geplantes Gastspiel aus Ägypten – muss leider ersatzlos ausfallen. Dem Ensemble wurden die Visa und damit die Einreise nach Deutschland verweigert. Wir werden hierzu in Kürze näher berichten.

21:00 Uhr

Gastspiel aus Nepal: „The princess of garden“ der Gruppe „theatre village“ aus Kathmandu im Schminkkasten Rudolstadt. 

anschließend

ein Aufführungsgespräch im Schminkkasten und Festivaltreff in der Bar im Stadthaus Rudolstadt. 

DER ERSTE MORGEN AUF DEM FESTIVALCAMP

ODER DER MORGEN DANACH…

Alle Zelte stehen noch. Mehr oder weniger trocken haben wir das mehrstündige Gewitter in unseren Zelten überstanden. Eigentlich ganz romantisch, diese steten Tropfen auf unseren Zeltdächern …

Festivalcamp

Aber jetzt erstmal duschen und dann noch einmal kurz ins Zelt legen. Aber nur kurz, gleich gibt es ja Frühstück im Stadthaus. Und dann starten auch schon die Workshops … [ib]